31.08.2026 — 2 Minuten
Ich habe viele Strategien sterben sehen. Wenn sie am Ende sprechen könnten — was würden sie sagen?
Inhalt
Erstmals erschienen in purplethoughts, 14. April 2026.
Ich habe viele Strategien sterben sehen.
Auf Papier. Im Alltag. Zwischen Quartalszahlen und Tagesgeschäft, in Steuerungskreisen, die niemand mehr ernst nahm.
Die meisten gehen leise. Sie werden nicht abgelehnt, nicht widerlegt. Sie verschwinden.
Wenn sie am Ende sprechen könnten — was würden sie sagen?
Ich wurde auf einem Offsite geboren.
Zwischen Flipcharts und Aufbruchstimmung. Am Montag danach kam ich als PDF. 47 Seiten. Einmal versendet. Nicht besprochen. Nie verankert.
Stattdessen hing ich im Intranet. Zwischen Kantinenplan und Fluchtwegen.
Am Ende kannten sie meinen Namen, nicht meinen Sinn.
Ich war makellos.
Jede Folie saß. Die Logik: wasserdicht.
Aber ich war für eine Organisation gemacht, die es so nicht gab.
Für Budgetrunden, die meine Annahmen nicht teilten. Für Systeme, die älter waren als meine Prämissen.
Ich war nicht falsch. Nur nie für diese Welt geschrieben.
Am Anfang hatten mich alle.
Der Vorstand. Das Leadership-Team. Die Pressemitteilung.
Aber besessen hat mich niemand.
Wenn es schwierig wurde, zeigten alle aufeinander. Ich war Chef:innensache — also niemandes Sache.
Ich habe um jemanden gebeten, der aufsteht, wenn ich falle. Den gab es nicht.
Sie haben mich gewollt. Wirklich gewollt. Das habe ich gespürt.
Aber sie haben mich nie gefüttert.
Ich sollte passieren, zwischen Tagesgeschäft und Quartalszahlen. In den Lücken. In der Freizeit. Mit dem, was übrig blieb.
Und dann waren sie enttäuscht, dass ich still wurde.
Sie haben mich gefragt: Wohin soll es gehen?
Aber niemand hat gefragt: Wer seid ihr und wer wollt ihr werden?
Ich habe Veränderung verlangt — aber ausgehend wovon?
Sie wussten es nicht. Ich wusste es nicht.
Am Ende war ich ein Ziel ohne Herkunft.
Irgendwo entsteht gerade die nächste.
Was sie am Ende bereuen wird, ist nicht das, was sie nicht erreicht hat.
Es sind die Fragen, die jetzt keiner stellt.
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